„Ein gutes Netzwerk ist wie die Wurzeln eines Baumes“
Hemispheres World Magazine
Gaffar Taha bringt Menschen zusammen. Im Gespräch erzählt er, wie gute Beziehungen entstehen, warum ein Netzwerk Wurzeln braucht und wie man vom Nehmer zum Geber wird.
Es liegt enormes Potenzial in der Begegnung zweier völlig fremder Personen. Schon in den kurzen Momenten vor dem eigentlichen Kennenlernen laufen die ersten unbewussten Prozesse ab. „Beim ersten Kennenlernen entscheiden zwei Fragen, ob aus dem anderen ein Freund, Feind oder sogar Liebhaber werden kann“, sagt die Harvard-Professorin Amy Cuddy: „Kann ich dir vertrauen?“ und „Kann ich dich respektieren?“
Das Hemispheres World Magazine sprach mit Gaffar Taha darüber, wie gute Beziehungen entstehen, was ein starkes Netzwerk ausmacht — und wie wir gemeinsam als Gesellschaft über den eigenen Tellerrand schauen und eine Kultur des Gebens schaffen können.
Wo kommst du her? Wo willst du hin?
Aufgewachsen bin ich in einer sozial schwachen Familie in Kreuzberg — ohne viele Impulse von außen, diese Box einmal zu verlassen. Noch vor sechs Jahren hätte ich gesagt: „Ich möchte vom Bordstein bis zur Skyline.“ Aufgrund meines Umfeldes wollte ich immer schon nach oben schauen.
Heute würde ich mit meinen eigenen Worten sagen: Ich sehe meine Mission darin, Menschen zusammenzubringen, zu vernetzen und eine bessere Welt zu schaffen. Ich möchte Menschen unterstützen, die keine guten Startbedingungen hatten. Ich glaube, dass Menschen etwas verändern, wenn sie die Chance dazu bekommen.
Was macht ein gutes Netzwerk aus? Wie entstehen gute Beziehungen zwischen Menschen?
Ich hätte da eine Metapher.
Ein gutes Netzwerk ist wie die Wurzeln eines Baumes. Wenn ich alles verliere und nichts mehr habe, ist ein gutes Netzwerk immer für dich da. Die Wurzeln halten dich im Boden.
Du kannst dich immer auf dein Netzwerk verlassen — egal ob du deinen Job verlierst und finanzielle Unterstützung brauchst, Hilfe bei der Suche nach einem neuen Job oder einfach Motivation.
Es gibt für mich zwei Möglichkeiten, wie gute Beziehungen entstehen: der langfristige Vertrauensaufbau oder eine Krise. Man muss ein emotionales Erdbeben oder Erlebnis miteinander geteilt haben. Beziehungen wachsen zusammen, wenn wir in Kontakt sind, wenn wir uns gut unterhalten oder dieselben Interessengebiete haben — oder wenn wir gemeinsam durch Krisen gehen. Wenn du etwas zusammen erlebst und Spaß miteinander hast, gibst du dem anderen einen Blick in deine Welt.
Wie entsteht Vertrauen oder eine vertrauensvolle Umgebung?
Ein gemeinsames, emotionales Erleben kann dazu führen, dass wir unsere Masken ablegen. Gerade wenn wir unsere Interessen ausleben, sind wir mehr wir selbst, statt uns hinter einer Maske zu verstecken. Das sieht der Partner oder unser Kontakt.
Der Vorteil bei Netzwerkveranstaltungen ist, dass der Veranstalter die Teilnehmer zum Verbinden motiviert und sie auf dem Weg der ersten Begegnung führt — etwa indem er auch schüchternen Menschen Mut macht und ihnen das Handwerkszeug gibt, auf andere zuzugehen.
Vertrauen entsteht dadurch, dass wir ehrlich und offen auf Menschen zugehen, erst einmal zuhören und sie nicht gleich mit unseren eigenen Problemen oder Angeboten belästigen, sondern fragen: Was sind deine Träume? Was sind deine Interessen? Was sind deine Visionen? Weg vom Geschäftlichen, hin zum Menschen. Bevor ich daran denke, wie dieser Mensch mir helfen kann, frage ich: Wie kann ich dich unterstützen?
Muss man in soziale Beziehungen investieren, bevor man etwas erwarten kann?
Viele Menschen wollen erst einmal etwas haben und denken zunächst an ihren eigenen Profit. Wir müssen erst einmal investieren und dabei weniger an uns selbst denken. Frage dich: Wie kann ich diesen Menschen unterstützen? Wo liegen seine Probleme, für die ich eine Lösung haben könnte? Biete deine Unterstützung an — weniger, weil du später etwas dafür zurückbekommst, sondern werde zum Geber. Gib einfach und schaue, was passiert.
Es gibt eine Art Orientierung, um Gebertypen besser zu erkennen. Einen Geber erkennst du daran, dass er sich für dich als Person interessiert und nicht in erster Linie auf seinen eigenen Profit aus ist. Er fragt dich, wie er dich unterstützen kann — und macht es dann auch wirklich.
Halte dich von den Nehmern fern: Menschen, die auf dich zukommen und Informationen oder Dienstleistungen wollen, ohne etwas zurückgeben zu wollen. Dann gibt es den Erwartungsvollen, der erwartet, dass du zuerst gibst. Und den Hoffnungsvollen — der Mensch, der wir vielleicht selbst sind: Menschen, die im Voraus geben, aber insgeheim hoffen, dass sie etwas zurückbekommen. Was vollkommen in Ordnung ist. Die beste Stufe ist der Geber. Dorthin zu gelangen ist ein Prozess.
Wie kann dir egal werden, was andere von dir denken?
Beginne bei dir selbst, lerne dich besser kennen, reflektiere dich jeden Tag. Wer bin ich eigentlich? Wo sind meine Grenzen? Nachdem du deine Grenzen definiert hast, kannst du sie überschreiten. Spring aus deiner Box, aus deiner Komfortzone: Was traue ich mich nicht zu tun? Egal ob es das Singen in der U-Bahn ist oder eine andere Herausforderung — mach es einfach. Denk nicht lange darüber nach.
Damals habe ich Perspektiven, die mir nicht gefallen haben, einfach ausgeblendet. Heute sehe ich das anders.
Es gibt keine falschen Perspektiven, jede Perspektive ist wahr. Wenn du die Dinge aus vielen Blickwinkeln betrachtest, wirst du die Welt besser verstehen.
Die wahre Kunst ist es, jederzeit auf verschiedene Perspektiven zugreifen zu können und den Fokus nicht nur auf den eigenen Blickwinkel festzulegen — es gibt immer noch eine andere Seite.
Wie können wir gemeinsam als Gesellschaft eine Kultur des Gebens schaffen?
Indem wir ein Netzwerk und eine Plattform für alle Menschen schaffen, die die Kultur des Gebens verstanden haben oder offen dafür sind, sie zu erlernen. Ich finde es wichtig, andere Menschen zu inspirieren und die Kultur des Gebens einfach weiterzugeben. Alle, die dieses Wissen besitzen, tragen eine Verantwortung.
Es ist ein Traum von mir, jedem Menschen einen Impuls in diese Richtung zu geben. Ich werde nicht jeden erreichen können, und vielleicht war gerade mein Impuls nicht der ausschlaggebende Punkt — aber dann kommst du und gibst einen ähnlichen Impuls. Irgendwann wird diese Person es auch verstehen und auf den Zug springen.
Ich sehe das wirklich als meine Lebensaufgabe: ein Vorbild zu sein mit dem, was ich tue, wie ich es tue, wie ich mich verhalte, wie ich mit Menschen rede. Das ist meine Mission — die Frage: Was ist der beste Gaffar? Der beste Gaffar flucht nicht, beleidigt nicht, sondern gibt den Menschen einen positiven Impuls, dass es auch anders geht.
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- Thema
- Netzwerke, Vertrauen, Kultur des Gebens
Über Gaffar Taha
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Gaffar Taha
Unternehmer und Gründer
Gaffar Taha ist Unternehmer und Gründer der Vitamin-B-Events in Berlin. Die Quelle seines Unternehmertums war die Idee, Menschen auf eine neue und moderne Art zu verbinden. Im Vordergrund stehen für ihn Respekt und Anerkennung gegenüber individuellen Persönlichkeiten.
Die Unternehmensphilosophie beruht darauf, menschliche Beziehungen zu schaffen, die auf Vertrauen und Moral gründen. Der Mensch mit seiner Leidenschaft steht im Mittelpunkt, nicht seine Position. Das Motto: „Wen wir suchen, ist keine Visitenkarte, sondern der Mensch mit seinen Visionen und Träumen.“
Seine Arbeit basiert auf dem Prinzip des Gebens — bedingungslos und ohne Erwartung. Der Moment, in dem zwei Menschen zusammenkommen und mit Freude ein gemeinsames Projekt umsetzen, ist für ihn die Erfüllung.